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Einblicke in den Glaubensweg: Ein Interview mit Pastor Lars Röser-Israel


Heute freue ich mich sehr, ein Interview mit Pastor Lars Röser-Israel aus Großmoor zu führen. Er wird uns persönliche Einblicke in seinen Lebensweg geben und erzählen, was ihn dazu bewogen hat, seinen beruflichen Weg in den geistlichen Dienst zu wählen.

 

Lieber Pastor Lars Röser-Israel.


Können Sie uns kurz Ihrer Vita erzählen und was Sie dazu bewogen hat, Pastor zu werden?

Aufgewachsen bin ich in Soltau und bin in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen. Mit 13 Jahren habe ich begonnen, Orgelunterricht zu nehmen und bald danach in der Kantorei mitzusingen. Während meines Zivildienstes bei der Lebenshilfe habe ich mich auch auf die sogenannte C-Prüfung vorbereitet, eine Ausbildung zum nebenamtlichen Kirchenmusiker.

Durch diese beiden Prägungen, die Kirchenmusik und die Arbeit in der Lebenshilfe, habe ich begonnen, in Hamburg Mathematik und Religion für das Lehramt zu studieren. Daraus wurde dann später das Vollstudium der Theologie in Heidelberg und Göttingen. Parallel zum Studium habe ich in verschiedenen Gemeinden in Schneverdingen und im Göttinger Umland regelmäßig sonn- und feiertags Orgel im Gottesdienst gespielt. So hatte ich bereits eine enge kirchliche Bindung, als ich in den Ausbildungsdienst der Landeskirche getreten bin. Über meine erste Pfarrstelle im Leinebergland und dann an der Kreuzkirche in Celle bin ich nun seit dem 1.8.2023 Pastor in Großmoor.

An meiner Arbeit liebe ich den Kontakt zu verschiedenen Menschen, die ich in unterschiedlichen Lebenssituationen begleiten darf und die mir etwas aus ihrem Leben teilen. Ich bin unglaublich gerne Dorfpastor, wo dieser Kontakt durch die verschiedenen Generationen möglich ist.

Welche besonderen Projekte oder Initiativen leiten Sie derzeit in Ihrer Kirchengemeinde?

Mein Vorgänger Stefan Thäsler hat eine wunderbare, engagierte Teamer:innengruppe aufgebaut, die mit mir den Konfiunterricht und die Konfifreizeit gestaltet haben. Das haben die Jugendlichen so großartig gemacht, dass nun ganz viele der gerade Konfirmierten jetzt selbst Teamer:in werden wollen.

Im März wurde ein neuer Kirchenvorstand gewählt. Und auch dort gibt es viele tolle Ideen und Projekte, die teilweise noch im Entstehen sind. Unser Tauffest am 15. September am Auestrand ist eines der Projekte, die bereits ganz konkret geplant sind.

Im Kirchenkreis Celle bin ich Beauftragter für Demokratie gegen Rechtsextremismus. Mir ist es wichtig, Kirche als eine gesellschaftliche Stimme gegen Menschenfeindlichkeit und Hass hörbar zu machen.


Wie nutzen Sie soziale Medien, um mit der Gemeinde und darüber hinaus zu kommunizieren?

Als Pastor bin ich auf Instagram und Facebook aktiv und berichte dort mehr oder weniger regelmäßig aus meinem Alltag als Pastor. Viel nutze ich die sozialen Medien aber auch dafür, Veranstaltungen zu bewerben.


Was ist Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung für die Kirche in der heutigen Zeit?

Die größte Herausforderung sehe ich darin, dass die Kirche ihren Mut und ihre Fröhlichkeit nicht verliert. Gesellschaftliche Umbrüche sind auch in der Kirche spürbar, vor allem im Rückgang der Mitgliedszahlen und einer geringer werdenden gesellschaftlichen Relevanz. Das macht mir wenig Sorge für die Kirche. Ich habe eher die Sorge, dass wir darüber Mut und Fröhlichkeit verlieren und Kirche zu sehr um sich selbst kreist. Damit ist aber niemandem geholfen.

Ich wünsche mir eine Kirche, die fröhlich ihren Glauben feiert, die Menschen einen Ort zum Ausruhen gibt und die in der Gesellschaft eine Stimme der Mitmenschlichkeit ist.


Wie sehen Sie die Rolle der Kirche in der lokalen Gemeinschaft von Großmoor/Adelheidsdorf?

Der Kirchengemeinde ist es wichtig – und das kann ich für mich genauso wie für den Kirchenvorstand und die Ehrenamtlichen sagen –, dass die Kirchengemeinde mit den anderen Vereinen und Gruppen vernetzt ist und sich gegenseitig unterstützt. So habe ich das bereits kennengelernt, als ich in die Gemeinde gekommen bin. Und ich versuche selbst als Pastor vor Ort bei Festen und Veranstaltungen präsent zu sein.


Haben Sie ein Lieblingszitat oder eine Bibelstelle, die Sie besonders inspiriert?

Eine besonders eindrückliche Geschichte in der Bibel ist für mich die des Zachäus. Zachäus ist ein reicher Mensch, der seinen Besitz vor allem dadurch angehäuft hat, dass er als Zolleinnehmer mehr nimmt, als eigentlich richtig ist. Da dies allgemein bekannt ist, ist er nicht sonderlich beliebt. „Er ist ein Sünder“, sagen die Leute über ihn. Als Jesus in seine Stadt kommt, will auch Zachäus ihn sehen, selbst aber nicht gesehen werden. Daher versteckt er sich in einem Baum. Jesus allerdings sieht ihn trotzdem, nicht nur optisch, sondern auch in seiner inneren Not. Jesus spricht ihn an und lädt sich quasi selbst zu ihm zum Essen ein. Bei Zachäus bewirkt diese Begegnung einen kompletten Sinneswandel.

Für mich geht es in dieser Geschichte um geschenktes ‚Ansehen‘ in doppelter Bedeutung. Zum einen schaut Jesus genau hin und sieht den, der eigentlich nicht gesehen werden will, und erkennt auch dessen Not. Und zugleich gibt Jesus ihm durch seine Zuwendung das Ansehen wieder, was er verloren hat. Dies bewirkt für Zachäus einen Neuanfang.

Ich wünsche, dass ich selbst und dass wir im Umgang miteinander uns gegenseitig Ansehen schenken. Ich wünsche mir, dass wir genau hinsehen und dass wir unseren Mitmenschen immer mit Würde begegnen. Und ich vertraue darauf, dass Gott immer wieder einen Neuanfang ermöglicht, wenn sich eine Lebenssituation verfahren hat.


Vielen Dank für die Beantwortung aller Fragen. Ich freue mich darauf, Sie bald einmal persönlich bei SaWa TV begrüßen zu dürfen.

Alexander H.

Redaktion SaWa 

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